Die diesjährige globale Hopes & Fears-Umfrage gibt einen tiefen Einblick in die Stimmungslage und Erwartungen von Beschäftigten weltweit. Knapp 50.000 Mitarbeitende aus 48 Ländern, darunter auch Österreich, haben Auskunft darüber gegeben, was sie motiviert, welche Gefühle sie bei der Arbeit erleben und wie sie die Auswirkungen von technologischen Veränderungen einschätzen. Die Ergebnisse zeichnen ein facettenreiches Bild einer Arbeitswelt, die sich dynamisch verändert.
Stimmung und Motivation: Zwei Drittel sind positiv, doch die Unterschiede sind groß
Ein übergreifendes Ergebnis ist die generelle Bereitschaft vieler Beschäftigten, sich zu engagieren: Zwei Drittel geben an, sich auf die Arbeit zu freuen und sich in ihrer Rolle besonders anzustrengen. Gleichzeitig zeigen sich markante Unterschiede zwischen den Altersgruppen. Baby Boomer (61-79 Jahre) stechen mit einer besonders positiven Motivation hervor und berichten überdurchschnittlich oft von Zufriedenheit, Inspiration und Aufregung – negative Emotionen sind in dieser Gruppe vergleichsweise selten.
Über die Hälfte der Befragten erlebt insgesamt positive Gefühle bei der Arbeit. Frauen berichten tendenziell von leicht positiveren Gefühlen als Männer, geben jedoch auch häufiger Ermüdung an. Besonders auffällig sind die Antworten der Generation Z (18–28 Jahre): Sie weist eine hohe Grundzufriedenheit auf (76 %), zugleich aber erhöhte Werte bei Langeweile (27 %), Ermüdung (54 %) und Überwältigung (28 %). Millennials (29-44 Jahre) zeigen die höchsten Werte beim Gefühl der Wut (37 %). Die Generation X (45-60 Jahre) liegt insgesamt bei negativen Emotionen niedriger und deutet damit eine gewisse Stabilität an.
KI als Treiber von Produktivität, Qualität und Kreativität
Technologischer Fortschritt – und hier insbesondere KI – wird als zentraler Einflussfaktor für die kommenden drei Jahre wahrgenommen. Vor allem die Gen Z sieht den technologischen Wandel als bedeutend für ihren Job. Die Nutzung von KI-Tools nimmt spürbar zu: Im Vergleich zum Vorjahr ist die tägliche Nutzung gestiegen, wenngleich mehr als ein Drittel der Befragten noch nie KI-Agenten verwendet hat. Die Auswirkungen auf die Arbeit werden bereits deutlich gespürt: Am häufigsten nennen die Befragten positive Effekte auf Produktivität und Qualität (59 %), gefolgt von der Kreativität (53 %) und der Arbeitszeit (35 %). Für die nächsten drei Jahre wird erwartet, dass KI insbesondere die Qualität der Arbeit, die Produktivität und die Kreativität weiter verbessert.
Diese Entwicklung hat auch strukturelle Konsequenzen. Ein Drittel der befragten Führungskräfte rechnet mit einem Rückgang von Einstiegspositionen in ihren Unternehmen durch den Einsatz von KI. Besonders betroffen sie die Bereiche Energie, Versorgung, Ressourcen sowie die Konsumgütermärkte. Das unterstreicht die Notwendigkeit, Berufsbilder und Karrierepfade frühzeitig anzupassen, um Talente nachhaltig zu entwickeln.
Sicherheit, Fähigkeiten und Werte: Was Beschäftigten wichtig ist
Trotz der Veränderungen blickt die Mehrheit zuversichtlich nach vorn: Zwei Drittel der Befragten sind hinsichtlich ihrer Arbeitsplatzsicherheit in den nächsten zwölf Monaten positiv gestimmt. Auffällig ist jedoch, dass Baby Boomer hier mit 56 % am pessimistischsten sind – ein Hinweis darauf, dass ältere Beschäftigte die aktuelle Lage und die künftige Entwicklung kritischer bewerten könnten.
Mit Blick auf die eigenen Fähigkeiten zeigt sich ein gemischtes Bild. Nur knapp ein Drittel der Befragten geht davon aus, dass ein Großteil ihrer derzeitigen Fähigkeiten in drei Jahren noch relevant sein wird. Hier ist die Generation Z am kritischsten, während sich Baby Boomer deutlich sicherer fühlen. Damit rückt die Frage nach Weiterbildung und Umschulung in den Fokus: Wenn technologische Veränderungen Berufsinhalte schnell verschieben, wird kontinuierliches Lernen zur Voraussetzung für Beschäftigungsfähigkeit.
Was einen „passenden Job“ ausmacht, lässt sich ebenfalls klar benennen: Jobsicherheit, die Übereinstimmung mit persönlichen Werten und gute Kolleginnen und Kollegen gehören zu den wichtigsten Faktoren. Für die Gen Z steht die Wertekompatibilität an erster Stelle, gefolgt von Jobsicherheit und dem sozialen Umfeld im Team. Das zeigt, dass neben harten Faktoren wie Gehalt und Stabilität auch kulturelle Passung und Sinnfragen eine zentrale Rolle spielen.
Vorsätze vs. Realität: Der Veränderungswille ist da – die Umsetzung hinkt hinterher
Interessant ist die Diskrepanz zwischen Vorhaben und tatsächlichen Ergebnissen. Viele Beschäftigte nehmen sich vor, eine Gehaltserhöhung zu fordern oder sich auf neue Jobs zu bewerben. Die Umfrage deutet jedoch darauf hin, dass diese Vorsätze häufig nicht vollumfänglich umgesetzt werden. Der Wunsch nach Veränderung ist also vorhanden, die praktische Umsetzung bleibt hingegen oft zurück. Für Unternehmen bedeutet das: Wer interne Hürden für Entwicklung und Wechsel abbaut, schafft nicht nur Motivation, sondern kann auch Talente auch sicherer und langfristiger im Haus halten.
Was Unternehmen jetzt tun können
Aus den Erkenntnissen ergeben sich klare Handlungsfelder für Führung und HR:
- Generationsübergreifend motivieren: Die emotionale Lage ist heterogen. Während Baby Boomer hohe Zufriedenheit zeigen, fühlen sich jüngere Beschäftigte häufiger müde oder überfordert. Maßnahmen zur Entlastung, klare Entwicklungspfade und mehr Autonomie können hier gegensteuern.
- KI verantwortungsvoll verankern: Da KI bereits Produktivität, Qualität und Kreativität messbar stärkt, lohnt der systematische Ausbau von Werkzeugen, Standards und Trainings. Gleichzeitig sollten Unternehmen transparent machen, wie sich Aufgabenprofile verändern.
- Fähigkeiten zukunftsfähig machen: Wenn nur ein Teil der Beschäftigten davon ausgeht, dass die aktuellen Fähigkeiten langfristig relevant bleiben, braucht es leicht zugängliche Lernangebote, die konkrete, arbeitsnahe Kompetenzen aufbauen.
- Werte und Kultur betonen: Da Wertepassung zentral ist – besonders für die Gen Z –, gewinnen klare Unternehmensprinzipien und ein gelebtes Miteinander an Bedeutung.
- Vorsätze erleichtern: Wer Gehaltsgespräche strukturiert ermöglicht und interne Mobilität fördert, schließt die Lücke zwischen Absicht und Umsetzung.
Fazit
Die Arbeitswelt befindet sich in einer Phase spürbarer Transformation. KI wirkt bereits heute als Produktivitäts- und Qualitätshebel und wird in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen. Für Unternehmen liegt hierin eine Chance: Wer technologische Neuerungen klug einbettet, Lernen systematisch ermöglicht und kulturelle Passung stärkt, wird nicht nur die Stimmung verbessern, sondern auch die Leistungsfähigkeit und Attraktivität in einem sich wandelnden Arbeitsmarkt sichern.




